Wann bei Wehen in die Klinik? So schätzt ihr den richtigen Zeitpunkt ein
Die Wehen kommen wieder. Noch könnt ihr sprechen, herumlaufen und zwischendurch durchatmen. Trotzdem stellt sich wahrscheinlich schon die eine Frage: Ist es jetzt Zeit, in die Klinik zu fahren oder ist es noch zu früh?
Eine für alle passende Antwort gibt es darauf nicht. Wehenabstände geben Orientierung, entscheiden aber nicht allein über den richtigen Zeitpunkt. Auch die Entwicklung der Wehen, frühere Geburten, die Entfernung zur Klinik, der bisherige Schwangerschaftsverlauf und individuelle Absprachen spielen eine Rolle.
Ihr müsst deshalb nicht warten, bis eine bestimmte Wehenregel exakt erfüllt ist. Wenn ihr glaubt, dass die Geburt begonnen hat, oder euch unsicher fühlt, könnt ihr eure Hebamme oder den Kreißsaal kontaktieren.
Welche Veränderungen außerdem darauf hindeuten können, dass es langsam losgeht, lest ihr in unserem Artikel „Die Geburt beginnt: Welche Anzeichen darauf hindeuten können“
Wichtig: Die folgenden Hinweise ersetzen keine individuelle medizinische Einschätzung. Die Empfehlungen eurer Hebamme, Arztpraxis oder Geburtsklinik haben Vorrang, weil dort eure Schwangerschaft und mögliche Besonderheiten bekannt sind.
Die schnelle Orientierung
Ihr könnt zunächst beobachten
Wenn es euch und eurem Baby gut geht, die Wehen noch unregelmäßig oder gut zu bewältigen sind und ihr keine Warnzeichen bemerkt, könnt ihr die weitere Entwicklung zunächst beobachten. Trinkt etwas, ruht euch aus und achtet darauf, ob die Wehen regelmäßiger, länger oder kräftiger werden.
Hebamme oder Kreißsaal kontaktieren
Meldet euch, wenn:
- ihr glaubt, dass die Geburt begonnen hat,
- die Wehen regelmäßiger oder deutlich kräftiger werden,
- ihr einen Blasensprung vermutet,
- ihr Blut aus der Scheide bemerkt,
- sich euer Baby weniger als sonst bewegt,
- ihr vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche mögliche Geburtszeichen bemerkt,
- ihr euch krank, ungewöhnlich unwohl oder einfach unsicher fühlt.
Sofort 112 rufen
Ruft bei einer akuten Notlage den Rettungsdienst, beispielsweise bei:
- einer stärkeren Blutung,
- Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall,
- starken, anhaltenden Schmerzen,
- starkem Pressdrang und dem Gefühl, dass das Baby unmittelbar kommt,
- einer anderen Situation, in der ihr die Klinik nicht mehr sicher erreichen könnt.
Woran ihr euch bei Wehen orientieren könnt
Mögliche Geburtswehen werden häufig regelmäßiger, kräftiger oder länger. Sie verschwinden durch Ruhe oder einen Positionswechsel meist nicht dauerhaft. Während einer Wehe kann es zunehmend schwerer werden, normal weiterzusprechen oder sich auf etwas anderes zu konzentrieren.
Wenn ihr noch unsicher seid, welche Art von Wehen ihr gerade spürt, findet ihr im Artikel „Wehen erkennen: Übungswehen, Senkwehen oder Geburtswehen?“ eine ausführliche Orientierung.
Für die Einschätzung helfen vier Fragen:
- In welchen Abständen kommen die Wehen?
- Wie lange dauern sie ungefähr?
- Werden sie stärker, länger oder häufiger?
- Wie gut könnt ihr während einer Wehe noch sprechen, gehen oder euch auf etwas anderes konzentrieren?
Wenn sich ein Muster entwickelt, könnt ihr einige Wehen mit einer Uhr oder der Stoppuhr auf dem Smartphone messen. Eine lückenlose Statistik braucht ihr nicht.
Was bedeutet die 5-1-1-Regel?
Häufig wird die 5-1-1-Regel genannt:
- Die Wehen kommen ungefähr alle fünf Minuten.
- Eine Wehe dauert etwa eine Minute.
- Dieses Muster besteht seit ungefähr einer Stunde.
Besonders bei einer ersten Geburt und einer unkomplizierten Schwangerschaft kann sie einen Anhaltspunkt geben. Sie ist aber keine allgemeingültige Schwelle. Ihr müsst nicht warten, bis alle drei Zahlen exakt erreicht sind, bevor ihr anruft oder euch untersuchen lasst.
Ein früherer Kontakt kann sinnvoll sein, wenn ihr bereits ein Kind geboren habt, eine frühere Geburt schnell verlief, der Weg zur Klinik lang ist oder für eure Schwangerschaft besondere Empfehlungen gelten.
Im Kreißsaal anrufen
Wenn es die Situation zulässt, könnt ihr vor der Abfahrt im Kreißsaal anrufen und schildern, was ihr wahrnehmt. Das Team kann eure Angaben einordnen und mit euch besprechen, ob ihr noch zu Hause bleiben könnt, euch auf den Weg machen oder unmittelbar Hilfe rufen solltet.
Ihr müsst am Telefon nicht sicher wissen, ob es Geburtswehen sind. Hilfreich sind möglichst konkrete Angaben:
- In welcher Schwangerschaftswoche seid ihr?
- Ist es eure erste Geburt?
- Seit wann habt ihr Wehen?
- Wie groß sind die Abstände und wie lange dauern die Wehen?
- Werden sie stärker oder verändert sich ihr Rhythmus?
- Ist möglicherweise Fruchtwasser abgegangen?
- Gibt es Blutungen oder andere Beschwerden?
- Bewegt sich euer Baby wie gewohnt?
- Gibt es medizinische Besonderheiten oder frühere schnelle Geburten?
- Wie lange braucht ihr bis zur Klinik?
Speichert die Nummer des Kreißsaals rechtzeitig im Handy. Auch eure Begleitperson sollte sie griffbereit haben.
Wenn die Fruchtblase springt
Ein Blasensprung kann als deutlicher Flüssigkeitsschwall auftreten oder sich nur durch wiederholtes Tröpfeln bemerkbar machen. Fruchtwasser lässt sich nicht immer sicher von Urin oder verstärktem Ausfluss unterscheiden.
Wenn ihr einen Blasensprung vermutet, kontaktiert eure Hebamme oder den Kreißsaal unmittelbar, auch wenn noch keine Wehen eingesetzt haben. Nennt möglichst den Zeitpunkt sowie Farbe und Geruch der Flüssigkeit. Verwendet eine Binde oder eine saugfähige Unterlage, aber keinen Tampon.
Ist die Flüssigkeit grünlich, bräunlich, auffällig riechend oder deutlich blutig, sagt das beim Anruf sofort. Das gilt auch, wenn ihr euch krank fühlt, Fieber habt oder euer Baby sich weniger als sonst bewegt.
Wie schnell ihr in die Klinik kommen solltet und welcher Transport für eure Situation geeignet ist, klärt ihr mit dem Kreißsaal. Haltet euch an individuelle Hinweise, die ihr wegen der Lage eures Babys oder anderer Besonderheiten erhalten habt.
Wann ihr nicht weiter abwarten solltet
Kontaktiert eure Hebamme oder Geburtsklinik direkt, wenn:
- ihr Blut aus der Scheide bemerkt,
- sich euer Baby weniger als sonst bewegt oder sein übliches Bewegungsmuster deutlich verändert ist,
- ihr starke oder anhaltende Schmerzen zwischen den Wehen habt,
- ihr euch deutlich krank, schwindelig oder ungewöhnlich unwohl fühlt,
- ihr starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder plötzlich ausgeprägte Beschwerden entwickelt,
- euch für eure Schwangerschaft empfohlen wurde, euch bei bestimmten Veränderungen sofort zu melden.
Ein wenig rosafarbener oder blutig gefärbter Schleim kann auftreten, wenn sich der Muttermund verändert. Eine Blutung lässt sich zu Hause jedoch nicht zuverlässig einordnen. Meldet sie deshalb und beschreibt Farbe und Menge.
Bei einer stärkeren Blutung, Bewusstlosigkeit, einem Krampfanfall, starken anhaltenden Schmerzen, starkem Pressdrang oder einer anderen akuten Notlage ruft 112.
Vor der 37. Schwangerschaftswoche früher abklären lassen
Mögliche Geburtszeichen vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche sollten unmittelbar medizinisch eingeschätzt werden. Wartet dann nicht darauf, dass die Wehen stärker werden oder einem bestimmten Abstand folgen.
Mögliche Hinweise sind:
- regelmäßige Kontraktionen,
- menstruationsähnliche Schmerzen,
- neu auftretender Druck nach unten,
- ungewohnte Rückenschmerzen,
- ein Schwall oder Tröpfeln von Flüssigkeit,
- Blutungen.
Diese Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass eine Frühgeburt bevorsteht. Sie sollten aber abgeklärt werden. Ruft eure Geburtsklinik, Hebamme oder ärztliche Betreuung an und folgt der dortigen Empfehlung.
Weitere Geburt oder langer Anfahrtsweg
Nach einer vorherigen Geburt kann sich besonders die aktive Geburtsphase schneller entwickeln. Das bedeutet nicht, dass jede weitere Geburt rasant verläuft. Der Aufbruch sollte dann aber nicht ausschließlich von der 5-1-1-Regel abhängen.
Auch ein langer Weg, Berufsverkehr, Baustellen oder schwierige Wetterverhältnisse können einen früheren Aufbruch sinnvoll machen. Besprecht deshalb möglichst schon vor dem errechneten Termin:
- Wann sollt ihr euch melden?
- Wie schnell verlief eine frühere Geburt?
- Wie lange dauert die Fahrt zu unterschiedlichen Tageszeiten?
- Welchen Eingang nutzt ihr nachts oder am Wochenende?
- Wer fährt und welche Alternative gibt es?
- Wer betreut ältere Kinder, falls es nachts beginnt?
Wenn eine frühere Geburt sehr schnell verlief, nennt das bereits beim ersten Telefonat.
Auch organisatorische Fragen lassen sich vorher klären. Unsere Übersicht „Klinikgeburt vorbereiten: Was ihr vorab regeln könnt“ hilft euch dabei.
Wenn ihr noch zu Hause bleiben könnt
Wenn es euch und eurem Baby gut geht und ihr nach Rücksprache zunächst zu Hause bleiben könnt, könnt ihr die weitere Entwicklung dort abwarten. Die frühe Geburtsphase kann viele Stunden dauern und zwischendurch wieder ruhiger werden.
Hilfreich kann sein:
- regelmäßig zu trinken,
- etwas Leichtes zu essen, solange euch danach ist,
- euch zwischen den Wehen auszuruhen,
- zwischen Bewegung und bequemen Positionen zu wechseln,
- warm zu duschen oder zu baden, wenn euch Wärme guttut,
- eure Begleitperson zu informieren,
- Dokumente und Kliniktasche bereitzustellen.
Wenn die Wehen nachlassen, habt ihr sie nicht falsch wahrgenommen. Beobachtet die weitere Entwicklung und meldet euch erneut, wenn sich etwas verändert oder ihr euch nicht mehr sicher fühlt.
Was ihr für die Abfahrt braucht
Haltet für die Aufnahme vor allem diese Dinge griffbereit:
- Mutterpass,
- Krankenversicherungskarte,
- Personalausweis oder Reisepass,
- relevante medizinische Befunde und Medikamentenplan,
- Kliniktasche,
- Handy und Ladekabel.
Legt die Dokumente am besten in eine eigene Mappe. Eure Begleitperson sollte wissen, wo sie liegt.
Passend dazu: Kliniktasche packen: Was ihr wirklich braucht.
Was passiert nach der Ankunft im Kreißsaal?
Im Kreißsaal wird zunächst eingeschätzt, wie es euch und eurem Baby geht und wie weit die Geburt fortgeschritten ist. Der genaue Ablauf hängt von der Klinik und eurer Situation ab. Möglich sind ein Gespräch, die Kontrolle der Vitalwerte, ein CTG und weitere Untersuchungen.
Ist die Geburt noch in einer frühen Phase und spricht medizinisch nichts dagegen, könnt ihr möglicherweise noch einmal nach Hause gehen. Das bedeutet nicht, dass ihr unnötig gekommen seid oder etwas falsch eingeschätzt habt.
Lasst euch vor der Rückfahrt erklären, bei welchen Veränderungen ihr wiederkommen oder erneut anrufen sollt.
Häufige Fragen
Muss ich warten, bis die Wehen alle fünf Minuten kommen?
Nein. Der Abstand kann Orientierung geben, ist aber keine Voraussetzung für einen Anruf oder eine Untersuchung. Frühere Geburten, Anfahrtsweg, Blasensprung, Beschwerden und individuelle Empfehlungen können einen früheren Kontakt notwendig machen.
Was ist, wenn ich zu früh in die Klinik fahre?
Dann wird eure Situation beurteilt. Wenn es euch und eurem Baby gut geht und die Geburt noch am Anfang steht, könnt ihr möglicherweise noch einmal nach Hause gehen. Besonders bei der ersten Geburt ist der passende Zeitpunkt schwer vorherzusagen.
Muss ich nach einem Blasensprung sofort losfahren?
Kontaktiert unmittelbar eure Hebamme oder den Kreißsaal. Ob und wie schnell ihr losfahren sollt, hängt von eurer persönlichen Situation, der Schwangerschaftswoche, der Farbe des Fruchtwassers und möglichen weiteren Beschwerden ab.
Wann rufe ich 112 statt des Kreißsaals?
Bei einer akuten Notlage, beispielsweise einer stärkeren Blutung, Bewusstlosigkeit, einem Krampfanfall, starken anhaltenden Schmerzen oder starkem Pressdrang mit dem Gefühl, dass das Baby unmittelbar kommt.
Das Wichtigste in Kürze
Der richtige Zeitpunkt für die Fahrt in die Klinik lässt sich nicht allein an einem festen Wehenabstand ablesen. Die 5-1-1-Regel kann besonders bei einer ersten Geburt Orientierung geben, ist aber weder eine Pflicht zum Warten noch eine Voraussetzung, um Unterstützung zu bekommen.
Kontaktiert eure Hebamme oder den Kreißsaal, wenn ihr glaubt, dass die Geburt begonnen hat oder ihr unsicher seid. Bei einem möglichen Blasensprung, Blutungen, deutlich veränderten Kindsbewegungen oder möglichen Geburtszeichen vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche solltet ihr nicht weiter abwarten.
Bei einer akuten Notlage ruft 112. Und wenn ihr nach einer Untersuchung noch einmal nach Hause gehen könnt, wart ihr nicht unnötig dort. Ihr habt eure Situation abklären lassen. Genau dafür ist der Kreißsaal da.
Quellen
Alle Quellen wurden zuletzt am 20.09.2026 abgerufen.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Wie fühlen sich Wehen an?
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Wie verläuft eine Geburt?
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft
- NHS: Signs that labour has begun
- NHS: Premature labour and birth
