Zwei Tassen und ein geöffnetes Notizbuch als Symbol für das Kennenlerngespräch mit einer Hebamme

Hebamme finden – Ab wann suchen und wie vorgehen?

Eine Hebamme suchen, obwohl die Schwangerschaft gerade erst begonnen hat? Das kann sich erstaunlich früh anfühlen. Trotzdem lohnt es sich, zeitnah zu starten. Vor allem für die Betreuung im Wochenbett sind freie Kapazitäten vielerorts schnell vergeben.

Die kurze Antwort lautet deshalb: Beginnt am besten mit der Hebammensuche, sobald ihr von der Schwangerschaft wisst. Ihr müsst zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Wünsche rund um Schwangerschaft und Geburt kennen. Für die erste Anfrage reichen der errechnete Geburtstermin, euer Wohnort und eine grobe Vorstellung davon, welche Begleitung ihr sucht.

In diesem Artikel zeigen wir euch Schritt für Schritt, wo ihr suchen könnt, was in eine erste Nachricht gehört und worauf es beim Kennenlernen ankommt.

Kurz & klar

  • Startet möglichst früh, am besten nach dem positiven Schwangerschaftstest.
  • Klärt zuerst, ob ihr Betreuung in der Schwangerschaft, im Wochenbett oder auch bei der Geburt sucht.
  • Schreibt mehrere passende Hebammen parallel an und haltet eure Anfragen kurz und vollständig.
  • Achtet auf Einzugsgebiet, Leistungen, Erreichbarkeit und darauf, ob ihr euch im Gespräch gut aufgehoben fühlt.
  • Auch nach mehreren Absagen gibt es weitere Anlaufstellen und mögliche Alternativen.

Ab wann sollte man eine Hebamme suchen?

Am besten beginnt ihr so früh wie möglich, sobald ihr wisst, dass ihr schwanger seid. Ihr müsst dafür weder den ersten Termin in der gynäkologischen Praxis abwarten noch bereits einen Mutterpass haben. Eine Überweisung ist ebenfalls nicht nötig.

Der frühe Start ist vor allem praktisch: Hebammen planen ihre Betreuungen anhand des errechneten Geburtstermins und können nur eine begrenzte Zahl an Familien begleiten. Je nach Region, Urlaubszeiten und voraussichtlichem Geburtsmonat können Kapazitäten deshalb früh vergeben sein.

Wenn ihr bereits weiter in der Schwangerschaft seid, lohnt sich die Suche trotzdem. Erweitert bei Bedarf den Radius und fragt gezielt nach Wochenbettbetreuung, Vertretungsmodellen oder kurzfristig frei gewordenen Plätzen.

Muss man bis zur zwölften Schwangerschaftswoche warten?

Nein. Manche werdenden Eltern möchten die ersten Wochen zunächst für sich behalten. Eine Hebamme könnt ihr trotzdem schon kontaktieren. Die Anfrage verpflichtet euch nicht dazu, die Schwangerschaft im persönlichen Umfeld bekannt zu machen.

Ihr könnt offen schreiben, dass die Schwangerschaft noch sehr früh ist. Wann ein erstes Gespräch stattfindet, vereinbart ihr individuell.

Welche Hebamme sucht ihr eigentlich?

Nicht jede Hebamme bietet jede Form der Betreuung an. Bevor ihr Anfragen verschickt, solltet ihr deshalb klären, wobei ihr euch Unterstützung wünscht.

Begleitung in der Schwangerschaft

Eine Hebamme kann euch bereits während der Schwangerschaft beraten, bei Beschwerden unterstützen und Vorsorgeleistungen übernehmen. Die Vorsorge kann auch im Wechsel mit der gynäkologischen Praxis stattfinden. Ultraschalluntersuchungen werden ärztlich durchgeführt.

Wochenbettbetreuung nach der Geburt

Eine Wochenbetthebamme begleitet euch nach der Geburt zu Hause. Sie behält das Befinden von Mutter und Baby im Blick, unterstützt bei Fragen zur körperlichen Erholung nach der Geburt, beobachtet die Entwicklung des Neugeborenen und berät beim Stillen oder Füttern sowie bei Fragen zur Babypflege.

Wenn ihr vor allem Unterstützung nach der Geburt sucht, fragt ausdrücklich nach einem Platz für die Wochenbettbetreuung rund um euren errechneten Geburtstermin.

Begleitung bei der Geburt

Wer in einer Klinik entbindet, wird in der Regel von den Hebammen betreut, die dort Dienst haben. Eine selbst gewählte Hebamme begleitet euch nur dann zur Klinikgeburt, wenn sie dort als Beleghebamme arbeitet und diese Betreuung anbietet.

Plant ihr eine Geburt im Geburtshaus oder zu Hause, solltet ihr besonders früh Kontakt zu einem passenden Hebammenteam aufnehmen. Betreuung während der Schwangerschaft, Rufbereitschaft und Geburtsbegleitung können hier Teil eines gemeinsamen Betreuungsmodells sein.

Kurse und einzelne Beratungen

Geburtsvorbereitung, Rückbildung und andere Kurse können unabhängig von eurer festen Hebamme stattfinden. Es muss also nicht dieselbe Person sein, die euch während der Schwangerschaft berät, einen Kurs leitet und später im Wochenbett besucht.

Hebamme finden: So geht ihr Schritt für Schritt vor

1. Errechneten Geburtstermin und Wohnort bereithalten

Hebammen prüfen freie Plätze häufig anhand des errechneten Geburtstermins und ihres Betreuungsgebiets. Haltet deshalb folgende Angaben bereit:

  • euren errechneten Geburtstermin, soweit bereits bekannt
  • euren Wohnort und möglichst die Postleitzahl
  • die gewünschte Betreuung
  • eure Kontaktdaten
  • Besonderheiten, die für die Planung wichtig sind

Wenn der Geburtstermin noch nicht ärztlich bestätigt wurde, könnt ihr zunächst den vorläufig errechneten Termin nennen und ihn später aktualisieren.

2. An mehreren Stellen suchen

Verlasst euch nicht nur auf eine einzelne Liste. Mögliche Anlaufstellen sind:

  • die kostenfreie Plattform Ammely des Deutschen Hebammenverbandes
  • die Hebammenliste des GKV-Spitzenverbandes
  • Google Maps oder eine andere Kartensuche: Sucht nach „Hebamme“ oder „Hebammenpraxis“ in eurem Wohnort und den umliegenden Stadtteilen. Prüft anschließend auf der Website oder direkt per Kontakt, ob Wochenbettbetreuung angeboten wird, euer Wohnort im Einzugsgebiet liegt und rund um euren Geburtstermin noch Kapazitäten frei sind.
  • regionale Hebammenzentralen oder Vermittlungsstellen
  • eure Krankenkasse
  • Geburtshäuser und Hebammenpraxen in der Umgebung
  • die gynäkologische Praxis oder die geplante Geburtsklinik
  • Empfehlungen aus eurem persönlichen Umfeld

Prüft dabei, ob die jeweilige Hebamme euren Wohnort anfährt und die gewünschte Leistung anbietet.

3. Mehrere Hebammen parallel kontaktieren

Gerade bei knappen Kapazitäten ist es sinnvoll, mehrere passende Hebammen gleichzeitig anzuschreiben. So wartet ihr nicht nacheinander auf einzelne Rückmeldungen.

Für die erste Kapazitätsabfrage genügt eine kurze, persönliche Nachricht.

Vorlage für eure erste Anfrage

Hallo Frau [Name],

ich bin schwanger und suche eine Hebamme für [Schwangerschaftsbegleitung und/oder Wochenbettbetreuung]. Mein errechneter Geburtstermin ist der [Datum], ich wohne in [Ort, Postleitzahl].

Haben Sie rund um diesen Zeitraum noch Kapazitäten und gehört mein Wohnort zu Ihrem Betreuungsgebiet?

Ich freue mich über eine kurze Rückmeldung.

Herzliche Grüße
[Name und Telefonnummer]

Wenn ihr eine bestimmte Form der Geburtsbegleitung oder besondere Unterstützung sucht, könnt ihr das in einem zusätzlichen Satz ergänzen.

4. Anfragen übersichtlich festhalten

Nach mehreren Nachrichten und Telefonaten verliert man schnell den Überblick. Eine einfache Liste reicht. Notiert beispielsweise:

  • Name und Kontaktdaten
  • Datum der Anfrage
  • gewünschte Leistung
  • Rückmeldung oder vereinbarten Rückruf
  • nächsten Schritt

So behaltet ihr den Stand eurer Suche im Blick.

5. Beim Kennenlernen die wichtigsten Fragen klären

Das Kennenlerngespräch soll zeigen, ob Erwartungen, Arbeitsweise und Rahmenbedingungen zusammenpassen.

Mögliche Fragen sind:

  • Welche Leistungen bieten Sie in der Schwangerschaft und im Wochenbett an?
  • Wie teilen sich Vorsorge, Beratung und Wochenbettbesuche auf?
  • Welches Gebiet fahren Sie an?
  • Wie und wann sind Sie bei Fragen erreichbar?
  • Wie ist die Vertretung bei Urlaub oder Krankheit geregelt?
  • Begleiten Sie beim Stillen und beim Füttern mit der Flasche gleichermaßen?
  • Gibt es Zusatzangebote, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden?
  • Was passiert mit der Betreuung, wenn die Geburt deutlich vor oder nach dem errechneten Termin stattfindet?

Ihr müsst nicht jede Frage stellen. Konzentriert euch auf das, was für eure Familie wichtig ist.

Woran erkennt ihr, ob eine Hebamme zu euch passt?

Neben den angebotenen Leistungen spielt auch die persönliche Zusammenarbeit eine Rolle. Schließlich solltet ihr Fragen und Unsicherheiten offen ansprechen können.

Fragt euch nach dem Kennenlernen:

  • Fühlen wir uns ernst genommen?
  • Können wir Fragen stellen, ohne uns bewertet zu fühlen?
  • Werden Möglichkeiten verständlich erklärt?
  • Passt die Art der Kommunikation zu uns?
  • Sind Leistungen, Erreichbarkeit und Grenzen klar besprochen?
  • Können wir offen über unsere Wünsche und Unsicherheiten sprechen?

Ihr müsst nicht in jeder Frage dieselbe Meinung haben. Entscheidend ist, dass ihr respektvoll miteinander sprechen könnt und die Rahmenbedingungen der Betreuung für euch passen.

Was kostet eine Hebamme?

Gesetzlich Versicherte haben während der Schwangerschaft, bei und nach der Geburt Anspruch auf Hebammenhilfe. Kassenleistungen werden grundsätzlich über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet.

Daneben kann es Angebote oder Kosten geben, die nicht oder nicht vollständig von der Krankenkasse übernommen werden. Dazu kann je nach Betreuungsmodell beispielsweise eine Rufbereitschaftspauschale gehören. Klärt deshalb vorab, welche Leistungen über die Krankenkasse abgerechnet werden und welche Kosten ihr gegebenenfalls selbst tragt. Manche Krankenkassen bieten zusätzliche Zuschüsse an.

Privat Versicherte sollten ihren individuellen Tarif prüfen oder direkt bei ihrer Versicherung nachfragen, da sich der Leistungsumfang je nach Vertrag unterscheiden kann.

Hebamme und Frauenarztpraxis: Braucht ihr beides?

Hebammen und gynäkologische Praxen übernehmen teilweise unterschiedliche und teilweise ergänzende Aufgaben. Viele Schwangere nutzen beide Angebote.

Eine Hebamme kann während der Schwangerschaft beraten, bei Beschwerden unterstützen und Vorsorgeleistungen übernehmen. Ärztliche Untersuchungen wie Ultraschall sowie die Abklärung medizinischer Auffälligkeiten gehören in ärztliche Hände.

Wie ihr eure Vorsorge organisiert, könnt ihr mit der Hebamme und der gynäkologischen Praxis besprechen. Wichtig ist, dass Untersuchungsergebnisse dokumentiert werden und klar ist, wer welche Termine übernimmt.

Wenn ihr gerade euren ersten Termin plant, findet ihr im Artikel „Erster Termin beim Frauenarzt: Was euch erwartet„ eine Übersicht zum möglichen Ablauf. Was die Einträge im Schwangerschaftsdokument bedeuten, erklären wir euch in „Mutterpass verstehen: Die wichtigsten Einträge einfach erklärt“.

Was tun, wenn ihr keine Hebamme findet?

Mehrere Absagen bedeuten häufig schlicht, dass rund um euren Geburtstermin keine Kapazitäten mehr frei sind oder euer Wohnort außerhalb des jeweiligen Betreuungsgebiets liegt.

Dann könnt ihr eure Suche systematisch erweitern:

  1. Suche regelmäßig wiederholen: Kapazitäten können sich ändern und Plätze kurzfristig frei werden.
  2. Radius vorsichtig erweitern: Prüft benachbarte Stadtteile und Orte und achtet weiterhin auf das jeweilige Einzugsgebiet.
  3. Vermittlungsstellen anfragen: Krankenkassen, regionale Hebammenzentralen, Gesundheitsämter und Geburtskliniken können weitere Anlaufstellen kennen.
  4. Leistung genauer eingrenzen: Fragt gezielt nach Wochenbettbetreuung, wenn eine umfassendere Begleitung nicht verfügbar ist.
  5. Teammodelle prüfen: Manche Praxen und Zentren arbeiten mit Vertretungs- oder Bereitschaftslösungen.
  6. Ergänzende Beratungsangebote nutzen: Für einzelne Fragen können digitale oder kurzfristige Beratungsangebote hilfreich sein. Sie ersetzen nicht automatisch eine praktische Betreuung zu Hause.

Fragt bei einer Absage außerdem freundlich, ob eine Kollegin, ein Team oder eine regionale Vermittlungsstelle empfohlen werden kann.

Was, wenn ihr keine eigene Hebamme habt?

Eine eigene Hebamme ist keine Voraussetzung dafür, ein Kind zu bekommen. Gerade die Betreuung im Wochenbett kann jedoch eine wichtige Unterstützung sein, weil dabei Mutter und Baby gemeinsam im Blick behalten werden und Fragen direkt im Alltag geklärt werden können.

Wenn ihr keine feste Wochenbetthebamme findet, informiert euch möglichst schon vor der Geburt über Alternativen in eurer Region und darüber, welche Anlaufstellen euch nach der Geburt zur Verfügung stehen.

Bei akuten oder dringenden medizinischen Beschwerden solltet ihr euch unabhängig von der Hebammensuche an die dafür zuständige medizinische Anlaufstelle wenden.

Häufige Fragen zur Hebammensuche

Kann ich eine Hebamme schon vor dem ersten Frauenarzttermin anschreiben?

Ja. Für eine erste Anfrage könnt ihr den vorläufig errechneten Geburtstermin angeben und ihn später aktualisieren.

Ist die fünfte oder sechste Schwangerschaftswoche zu früh?

Nein. Ihr könnt bereits in einer frühen Schwangerschaft Kontakt aufnehmen. Wann das erste Kennenlerngespräch stattfindet, klärt ihr direkt mit der Hebamme.

Kann ich auch später noch eine Hebamme finden?

Ja. Die Suche kann dann schwieriger sein, ist aber nicht aussichtslos. Fragt weiter an, nutzt regionale Vermittlungsstellen und erkundigt euch nach kurzfristig verfügbaren Plätzen oder Teamangeboten.

Kommt jede Hebamme zu uns nach Hause?

Nein. Angebot und Einzugsgebiet unterscheiden sich. Klärt deshalb schon bei der ersten Anfrage, ob euer Wohnort abgedeckt wird und welche Form der Betreuung angeboten wird.

Muss meine Hebamme auch bei der Geburt dabei sein?

Nein. Schwangerschafts- und Wochenbettbetreuung können unabhängig von der Geburtsbegleitung stattfinden. Bei einer Klinikgeburt betreut euch in der Regel das diensthabende Hebammenteam. Eine selbst gewählte Beleghebamme ist ein eigenes Betreuungsmodell.

Was ist der Unterschied zwischen einer Hebamme und einer Familienhebamme?

Eine Familienhebamme verfügt über eine zusätzliche Qualifikation und kann Familien in besonderen oder belastenden Lebenssituationen längerfristig begleiten. Wie der Zugang organisiert ist, unterscheidet sich regional und kann beispielsweise über Angebote der Frühen Hilfen oder kommunale Stellen erfolgen.

Unser Fazit

Mit der Hebammensuche könnt ihr beginnen, sobald ihr von der Schwangerschaft wisst. Dafür braucht ihr noch keinen fertigen Geburtsplan. Für den Start reichen der voraussichtliche Geburtstermin, euer Wohnort und die gewünschte Form der Betreuung.

Sucht über mehrere Anlaufstellen und kontaktiert passende Hebammen parallel. Wenn ihr eine freie Hebamme gefunden habt, klärt Leistungen, Erreichbarkeit und Vertretung – und achtet darauf, ob die Zusammenarbeit für euch passt.

Falls ihr zunächst Absagen bekommt, erweitert die Suche systematisch und prüft regionale Vermittlungs- und Teamangebote. Je früher ihr beginnt, desto mehr Möglichkeiten habt ihr.

Quellen und weiterführende Informationen