Die ersten Schwangerschaftswochen – Was sich jetzt verändert
Ein positiver Schwangerschaftstest kann einen einzigen Moment vollkommen verändern. Möglicherweise habt ihr lange darauf gewartet oder das Ergebnis kam überraschend. Neben Freude kann zunächst vor allem Unsicherheit entstehen.
Während nach außen meist noch nichts zu sehen ist, beginnt im Körper bereits eine große Umstellung. Was passiert in diesen ersten Wochen, welche Veränderungen können auftreten und warum fühlt sich die Schwangerschaft manchmal trotzdem noch unwirklich an?
Wie werden Schwangerschaftswochen gezählt?
Eine Schwangerschaft wird ab dem ersten Tag der letzten Monatsblutung berechnet. Deshalb zählen die erste und zweite Schwangerschaftswoche bereits zur Schwangerschaft, obwohl die Befruchtung zu diesem Zeitpunkt normalerweise noch nicht stattgefunden hat.
Der Eisprung und eine mögliche Befruchtung erfolgen meist etwa zwei Wochen später. Anschließend wandert die befruchtete Eizelle in Richtung Gebärmutter und nistet sich dort ein.
Viele erfahren ungefähr in der vierten, fünften oder sechsten Schwangerschaftswoche von ihrer Schwangerschaft – häufig dann, wenn die erwartete Monatsblutung ausbleibt und ein Schwangerschaftstest positiv ausfällt.
40 Wochen, neun Monate oder zehn Monate?
Eine Schwangerschaft dauert rechnerisch etwa 40 Wochen beziehungsweise 280 Tage. Trotzdem ist häufig von neun oder zehn Monaten die Rede. Der Grund dafür sind unterschiedliche Zählweisen.
Vom Zeitpunkt der Befruchtung bis zur Geburt sind es ungefähr neun Kalendermonate. Medizinisch wird die Schwangerschaft jedoch ab dem ersten Tag der letzten Monatsblutung berechnet. Daraus ergeben sich rund 40 Schwangerschaftswochen beziehungsweise 280 Tage.
Zusätzlich wird die Schwangerschaft in drei Trimester beziehungsweise Schwangerschaftsdrittel eingeteilt. Die genauen Grenzen können je nach Quelle leicht voneinander abweichen. Meist umfasst das erste Trimester die ersten zwölf Schwangerschaftswochen. Das zweite Trimester reicht ungefähr bis zur 27. oder 28. Woche, anschließend beginnt das dritte Trimester.
Die unterschiedlichen Monatsangaben beschreiben also keine unterschiedlich lange Schwangerschaft, sondern lediglich verschiedene Arten, dieselbe Zeit einzuteilen.
Was bedeutet Frühschwangerschaft?
Mit Frühschwangerschaft sind meist die ersten Wochen der Schwangerschaft beziehungsweise das erste Trimester gemeint.
In dieser Zeit entwickelt sich aus der befruchteten Eizelle innerhalb weniger Wochen ein Embryo mit den grundlegenden Organanlagen. Gleichzeitig stellt sich der Körper hormonell auf die Schwangerschaft ein. Diese Umstellung kann bereits deutlich spürbar sein, obwohl äußerlich noch kaum etwas zu sehen ist.
Im Körper beginnt eine große Umstellung
Nach der Einnistung bildet der Körper unter anderem das Schwangerschaftshormon hCG. Gleichzeitig sorgt das Hormon Progesteron dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut erhalten bleibt und sich der Körper auf die Schwangerschaft einstellt.
Mögliche frühe Veränderungen sind:
- ungewöhnliche Müdigkeit
- empfindliche oder spannende Brüste
- Übelkeit oder ein veränderter Appetit
- stärkere Reaktionen auf Gerüche
- häufigerer Harndrang
- Völlegefühl oder Blähungen
- ein leichtes Ziehen im Unterleib
- Stimmungsschwankungen
- vermehrter vaginaler Ausfluss
Wie früh und wie deutlich diese Veränderungen auftreten, ist sehr unterschiedlich.
Ab wann bemerkt man die Schwangerschaft?
Manche Schwangere nehmen bereits vor dem Ausbleiben der Monatsblutung erste Veränderungen wahr. Andere bemerken erst nach einem positiven Schwangerschaftstest, dass sich ihr Körper anders anfühlt.
Viele Schwangere bemerken erste Veränderungen rund um die Zeit, in der die Monatsblutung ausbleibt, oder in den darauffolgenden Wochen. Beschwerden können unterschiedlich stark sein, zeitweise nachlassen oder vollständig ausbleiben.
Auch eine Schwangerschaft ohne deutliche frühe Anzeichen ist möglich. Der Körper muss die Schwangerschaft nicht auf eine bestimmte Weise spürbar machen.
Warum die Müdigkeit so früh so stark sein kann
Gerade die Erschöpfung in den ersten Schwangerschaftswochen wird häufig unterschätzt. Vielleicht fühlt ihr euch bereits am Nachmittag müde oder braucht plötzlich deutlich mehr Schlaf als sonst.
Der Körper passt den Stoffwechsel und den Kreislauf an die Schwangerschaft an. Gleichzeitig laufen viele Entwicklungsprozesse ab, die von außen noch nicht sichtbar sind. Diese Umstellung kann viel Energie beanspruchen.
Nicht jede Schwangere kann ihren Alltag vollständig nach dem eigenen Energielevel ausrichten. Arbeit, ältere Kinder und andere Verpflichtungen laufen weiter. Umso hilfreicher kann es sein, zumindest dort Tempo herauszunehmen, wo es möglich ist.
Übelkeit beginnt nicht immer am Morgen
Die bekannte Morgenübelkeit kann zu jeder Tageszeit auftreten. Manche Schwangere fühlen sich vor allem morgens unwohl, andere am Nachmittag, am Abend oder über weite Teile des Tages.
Auch Gerüche und Lebensmittel können plötzlich anders wahrgenommen werden. Ein vertrautes Parfüm, Kaffee oder ein bisher gern gegessenes Gericht kann von einem Tag auf den anderen unangenehm wirken.
Wie stark die Übelkeit ausfällt, ist sehr unterschiedlich. Manche verspüren nur ein leicht flaues Gefühl, andere fühlen sich über längere Zeit deutlich beeinträchtigt. Es gibt aber auch Schwangere, die in den ersten Wochen überhaupt keine Übelkeit erleben.
Der Bauch fühlt sich vielleicht anders an
In den ersten Schwangerschaftswochen ist die Gebärmutter noch klein. Ein sichtbarer Bauch entsteht deshalb normalerweise noch nicht durch die Größe des Embryos.
Trotzdem kann sich die Körpermitte bereits anders anfühlen. Hormonelle Veränderungen können die Verdauung beeinflussen und zu Blähungen, Völlegefühl oder Verstopfung führen. Kleidung kann dadurch früher unangenehm werden, obwohl äußerlich noch keine eigentliche Schwangerschaftswölbung zu sehen ist.
Ihr müsst deshalb nicht sofort Umstandsmode kaufen. Oft reichen zunächst weichere Hosen, lockere Oberteile oder Kleidungsstücke, die am Bauch nicht drücken.
Was sich beim Baby in dieser Zeit entwickelt
Aus der befruchteten Eizelle entstehen in kurzer Zeit immer mehr spezialisierte Zellen. Nach der Einnistung entwickeln sich die Anlagen für den Embryo, die Fruchtblase und die spätere Plazenta weiter.
In den folgenden Wochen werden die Grundlagen für Organe, Nervensystem und Körperstrukturen gelegt. Das Herz-Kreislauf-System beginnt sich früh zu entwickeln. Gleichzeitig übernimmt die entstehende Plazenta zunehmend die Versorgung des Embryos.
Diese Entwicklung verläuft rasant, obwohl der Embryo zunächst nur wenige Millimeter groß ist. Von außen bleibt all das noch unsichtbar.
Auch emotional kann sich vieles verändern
Mit dem positiven Test beginnt häufig auch eine emotionale Übergangsphase. Freude kann neben Sorge stehen, Dankbarkeit neben Überforderung. Selbst bei einer lange ersehnten Schwangerschaft können Unsicherheit und Zweifel auftauchen.
Vielleicht beschäftigt euch die Frage, ob sich die Schwangerschaft gut entwickelt, wann ihr davon erzählen möchtet oder wie sich euer gemeinsamer Alltag verändern wird.
Auch die Partnerin oder der Partner erlebt diese Phase möglicherweise anders. Während eine Person die körperlichen Veränderungen unmittelbar spürt, bleibt die Schwangerschaft für die andere zunächst abstrakter. Es kann helfen, unterschiedliche Gedanken offen anzusprechen, ohne zu erwarten, dass beide dasselbe empfinden.
Was jetzt wichtig wird
Mit dem positiven Schwangerschaftstest entstehen häufig viele praktische Fragen: Wann sollte der erste Termin stattfinden? Was gilt für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel? Und welche Dinge sollten jetzt tatsächlich erledigt werden?
Was nach einem positiven Schwangerschaftstest als Erstes wichtig wird, haben wir in unserem Ratgeber Schwanger – Was jetzt als Erstes wichtig ist zusammengefasst.
Ihr müsst nicht alles auf einmal klären. Für den Moment darf es reichen, die Nachricht ankommen zu lassen und euch bei individuellen gesundheitlichen Fragen an eure frauenärztliche Praxis oder eine Hebamme zu wenden.
Wenn euch eine Veränderung verunsichert
Neue oder ungewohnte Beschwerden können schnell Sorgen auslösen. Was dahintersteckt, kann nur medizinisch beurteilt werden.
Wenn ihr Beschwerden bemerkt, die euch beunruhigen, wendet euch bitte an eure frauenärztliche Praxis oder Hebamme. Starke Schmerzen, Blutungen oder Kreislaufprobleme sollten medizinisch abgeklärt werden.
Wenn sich noch nichts wirklich anfühlt
Vielleicht habt ihr einen positiven Test in der Hand, fühlt euch aber körperlich genauso wie vorher. Vielleicht könnt ihr die Nachricht noch nicht ganz glauben oder wartet angespannt auf den ersten Termin.
Auch das gehört zu den ersten Schwangerschaftswochen.
Eine Schwangerschaft muss sich nicht sofort emotional greifbar anfühlen. Für manche beginnt dieses Gefühl mit dem Test, für andere beim ersten Ultraschall, mit den ersten Bewegungen oder noch später.
Ihr dürft euch Zeit lassen, in dieser neuen Realität anzukommen.
Die ersten Schwangerschaftswochen sind ein Anfang
In eurem Körper beginnt gerade eine außergewöhnliche Entwicklung. Gleichzeitig bleibt der Alltag zunächst überraschend normal. Genau dieser Gegensatz kann die ersten Schwangerschaftswochen so besonders und manchmal auch so unwirklich machen.
Ihr müsst nicht sofort alles verstehen, planen oder entscheiden. Die ersten Wochen dürfen einfach ein Anfang sein.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Beschwerden oder gesundheitlichen Fragen wendet euch bitte an eure frauenärztliche Praxis, eine Hebamme oder eine andere medizinische Fachperson.
